Hoch­häu­ser vor dem Fall

Arti­kel aus dem Hal­ler Kreis­blatt, 8.3.2016. Bewe­gung am Sand­kamp: Die bei­den leer­ste­hen­den Hoch­häu­ser ste­hen offen­bar vor dem Abriss. Neu­er Bebau­ungs­plan ermög­licht rein recht­lich die Ein­lei­tung die­ses Schrit­tes.

20160308 - HK - Hochhäuser vor dem Fall

Hoch­häu­ser vor dem Fall

Bewe­gung am Sand­kamp: Die bei­den leer­ste­hen­den Hoch­häu­ser ste­hen offen­bar vor dem Abriss. Neu­er Bebau­ungs­plan ermög­licht rein recht­lich die Ein­lei­tung die­ses Schrit­tes

Von Uwe Poll­mei­er

Hal­le. Das Hal­ler Stadt­bild könn­te sich bald schon gra­vie­rend ver­än­dern, und das aller Vor­aus­sicht nach zum Vor­teil. Der Haupt- und Finanz­aus­schuss wird sich, wie Bau­amts­lei­ter Jür­gen Keil kürz­lich auf Anfra­ge des HK ver­riet, in der kom­men­den Woche mit der Zukunft der bei­den Sand­kamp-Hoch­häu­ser befas­sen. Bereits im ver­gan­ge­nen Dezem­ber hat der Pla­nungs- und Stadt­ent­wick­lungs­aus­schuss die Auf­stel­lung eines neu­en Bebau­ungs­pla­nes beschlos­sen. In Ver­bin­dung mit einer vor gut zwei Jah­ren erfolg­ten Neu­re­ge­lung des Para­gra­fen 179 des Bau­ge­setz­bu­ches, der sich mit dem Rück­bau- und Ent­sie­ge­lungs­ge­bot befasst, kann die Stadt nun aktiv wer­den und den Abriss der Häu­ser vor­an­trei­ben.

Die Mit­glie­der des Haupt- und Finanz­aus­schus­ses wer­den sich im nicht­öf­fent­li­chen Teil mit der Sand­kamp-Pro­ble­ma­tik befas­sen. Ziel ist es nach HK-Infor­ma­tio­nen, die bei­den zwi­schen 1971 und 1973 erbau­ten Hoch­häu­ser abzu­rei­ßen. Durch den neu­en Bebau­ungs­plan und das geän­der­te Gesetz hat sich die recht­li­che Situa­ti­on geän­dert.

Eigen­tü­mer müs­sen Abriss der Hoch­häu­ser am Sand­kamp dul­den

Bis­her schrieb der seit den frü­hen 1970er Jah­ren gül­ti­ge Bebau­ungs­plan Num­mer 22 eine sechs- bis neun­ge­schos­si­ge Bebau­ung vor. Der neue, im ver­gan­ge­nen Dezem­ber ein­stim­mig mit elf Ja-Stim­men ver­ab­schie­de­te Bebau­ungs­plan Num­mer 70 setzt hin­ge­gen eine gerin­ge­re Geschos­sig­keit fest.

Damit ent­spricht die vor­han­de­ne Immo­bi­lie nicht mehr dem aktu­el­len Bebau­ungs­plan, so dass gemäß der ein­gangs erwähn­ten Neue­rung des Bau­ge­setz­buch­pa­ra­gra­fen 179 die Stadt den Eigen­tü­mer ver­pflich­ten kann, dass die­ser die Besei­ti­gung sei­ner Immo­bi­lie dul­den muss. Hin­zu kom­men die Miss­stän­de, die bereits vor knapp neun Jah­ren zum Leer­stand der bei­den Hoch­häu­ser führ­ten und die auch durch eine Moder­ni­sie­rung wohl nicht mehr beho­ben wer­den kön­nen. Allei­ne dies wür­de eben­falls aus­rei­chen, um den Rück­bau­pa­ra­gra­fen anzu­wen­den.

Die Ver­wal­tung hat ein­deu­tig beschlos­sen, dass das frü­he­re Vor­ha­ben, die Hoch­häu­ser in die­sem Bereich pla­ne­risch zu sichern, auf­ge­ge­ben wird. Damit ist der Weg frei für den Abriss und eine Neu­ge­stal­tung des Orts­ein­gangs­bil­des an der B68. Zudem soll der nörd­li­che Teil der Wie­se zwi­schen dem Sand­kamp und der Kfz-Werk­statt Savic mit zwei- bis drei­ge­schos­si­gen Häu­sern bebaut wer­den.

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Alles leer: Die zwei unte­ren Stock­wer­ke des Hau­ses Sand­kamp 27 sind ver­bar­ri­ka­diert. FOTOS: U. POLLMEIER

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Kein Ein­gang: Die frü­he­re Haus­tür ist mit einer Ket­te samt Schloss gesi­chert, Klin­gel­schil­der und Brief­kas­ten sind zer­stört.


Absturz

Die ab Mai 1973 bewohn­ten 86 Woh­nun­gen der von der KWG gebau­ten Hoch­häu­ser boten Luxus für wenig Geld, wie etwa einen Haustür­öff­ner mit Gegen­sprech­an­la­ge, zwei Bal­ko­ne und eine Gäs­te­toi­let­te. Spä­ter zogen die jun­gen Fami­li­en aber aus und bau­ten selbst. Es blie­ben Senio­ren, Aus­län­der und sozi­al Schwa­che. Das Kli­ma in der Nach­bar­schaft wur­de immer schlech­ter. 1996 ver­kauf­te die KWG die Gebäu­de. 2007, nach dem Abstel­len von Strom, Gas und Was­ser zogen die letz­ten Bewoh­ner aus.